{"id":14005,"date":"2020-10-07T10:26:48","date_gmt":"2020-10-07T08:26:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.europagymnasium.at\/?page_id=14005"},"modified":"2021-12-28T13:04:54","modified_gmt":"2021-12-28T12:04:54","slug":"ooxml-ist-kein-iso-standard-was-ist-das-problem","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/ooxml-ist-kein-iso-standard-was-ist-das-problem\/","title":{"rendered":"OOXML ist (kein) ISO Standard &#8211; Was ist das Problem ?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bei Dokumenten kann man aus zwei Formatstandards w\u00e4hlen: <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der eine, <strong>OpenDocumentFormat<\/strong> (\u201eODF\u201c, genormt als ISO\/IEC 26300) ist ein sog. \u201eOffener Standard\u201c: herstellerneutral, rechtlich und technisch offen zug\u00e4nglich und \u00f6ffentlich erarbeitet. ODF ist \u00fcber mehrere Jahre und Versionen abw\u00e4rtskompatibel und wird von vielen Office-Programmen unterst\u00fctzt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der andere, <strong>Office Open XML<\/strong> (\u201eOOXML\u201c, genormt als ISO\/IEC 29500) wurde von einem Hersteller (Microsoft) entwickelt, ist nicht vollst\u00e4ndig offen im o.g. Sinne und wurde insgesamt in drei Varianten spezifiziert: \u201eECMA\u201c (nach der Standardisierungsorganisation, die diese Version akzeptierte; ISO lehnte sie wegen Intransparenz ab), \u201eTransitional\u201c und \u201eStrict\u201c. <\/span><\/span><strong><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese drei Varianten von OOXML sind untereinander nicht kompatibel!<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Hersteller hat zwar ECMA und Transitional als obsolet und Strict als aktuelle Version benannt, aber nat\u00fcrlich besitzen alle Verwaltungen, die seit 2007 MS-Office Produkte einsetzen, Dokumente in verschiedenen MS-Office Versionen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Problem: <strong>\u201eStrict\u201c ist nicht abw\u00e4rtskompatibel<\/strong>, \u00e4ltere Versionen von MS-Office k\u00f6nnen es weder lesen noch schreiben. Das wird auch nichts mehr, denn MS-Office 2007 ist nicht mehr erh\u00e4ltlich und wird auch nicht mehr vom Hersteller unterst\u00fctzt. Seit damals enden alle MS-Office-Dateien mit dem ber\u00fchmten \u201ex\u201c \u2013 docx\/xlsx\/pptx. Der Anwender kann an der Endung also nicht ablesen, welche Formatversion er tats\u00e4chlich verwendet, was die Inkompatibilit\u00e4t so gef\u00e4hrlich macht. Als Richtschnur gilt:<\/span><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Office 2007 liest und schreibt in \u201eECMA\u201c<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Office 2010 und neuer schreiben \u201eTransitional\u201c<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Office 2013 liest und schreibt \u2013 nicht \u201eStrict\u201c, jedenfalls nicht gem\u00e4\u00df ISO\/IEC 29500<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><br \/>\nMichael Meeks, einer der Kernentwickler der Open Source Office-Suite \u201eLibreOffice\u201e, ist davon \u00fcberzeugt, dass niemand ISO OOXML Strict in der freien Wildbahn verwendet: \u201eWenn eine Firma oder Verwaltung verschiedene Versionen von MS Office einsetzt, incl. Office 2007 oder 2010, dann erf\u00fcllen Dokumente, die von mehreren Leuten ausgetauscht wurden, die strikte Variante von OOXML, wie in ISO\/IEC 29500 vorgeschrieben, nicht.\u201c <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Zitat und alle weiteren stammen aus einem ausf\u00fchrlichen, technisch tief gehenden Artikel von Markus Feilner, stellv. Chefredakteur des deutschen Linux-Magazins, der im Juni 2014 f\u00fcr das EU-Portal Joinup, den Zoo an OOXML-Varianten analysierte und mit Experten wie Michael Meeks und anderen sprach. Mit anderen Worten: Es gibt zwar einen von der ISO genormten Dokumentenstandard, der OOXML Strict hei\u00dft, aber es existiert keine Software, die dieses Format strikt nach Vorgaben verarbeiten kann \u2013 auch nicht vom Hersteller selbst.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Diese Inkonsistenzen f\u00fchren zu vielf\u00e4ltigsten Problemen<\/strong>, u.a. Verlust an Metadaten, Fehlern in Grafiken und eingebetteten Objekten, propriet\u00e4ren Komponenten in einem \u201eoffenen\u201c Standards, usw. Es ist in der Tat so komplex, dass Open Source Projekte mit enormen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen haben, um Filter zu schreiben, die alle Versionen von MS-Office-Dokumenten verarbeiten k\u00f6nnen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\"><strong><em><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Die schlichte Nichtexistenz einer MS-Office Version, die alle Formatvarianten lesen und schreiben kann, spricht B\u00e4nde.<\/span><\/span><\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"> Bj\u00f6rn Lundell, der als Informatikprofessor an der Universit\u00e4t Sk\u00f6vde (Schweden) zu Kompatibilit\u00e4t und Standards bei Office-Programmen forscht, sagt:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><em>\u201eWenn ein Anwender eine Datei in Office 2007 erstellt und in Transitional docx speichert, sollten andere sie in Office 2013 \u00f6ffnen k\u00f6nnen und in Strict docx erneut abspeichern, bevor sie schlie\u00dflich in Office 2010 ge\u00f6ffnet wird. <\/em><\/span><\/span><em><span style=\"font-size: medium; font-family: Carlito, sans-serif;\">Sie w\u00fcrden sich wundern, was tats\u00e4chlich dabei herauskommt.\u201c <\/span><\/em><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wie konnte das passieren?<\/span><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Als klar wurde, dass ein Dokumentenformat, welches nicht aus dem eigenen Haus kam \u2013 das offen spezifizierte ODF \u2013 Ende 2006 die Zertifizierung als ISO-Standard erhalten w\u00fcrde, musste Microsoft handeln, denn<strong> vorhandene ISO-Standards werden<\/strong> h\u00e4ufig<strong> als Kriterium bei \u00f6ffentlichen Ausschreibungen verlangt. <\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Man sah sich der Gefahr gegen\u00fcber, mit einem nicht-ISO-zertifizierten Produkt in dem riesigen Gesch\u00e4ftsbereich Public Sector ins Hintertreffen zu geraten. In sehr kurzer Zeit entwickelte der Hersteller also XML-Versionen seiner propriet\u00e4ren Dokumentenformate und lie\u00df sie von der gleichnamigen Organisation als ECMA-Standard durchwinken. Dieselbe Version wurde jedoch von der ISO abgelehnt: Es seien zuviele nicht nachvollziehbare, propriet\u00e4re Elemente darin, die zudem h\u00e4ufig direkte Abh\u00e4ngigkeiten zu einzelnen MS-Office-Produkten darstellten.<strong> Die ISO-Arbeitsgruppe kam zum Schlu\u00df, dass niemand au\u00dfer dem Hersteller selbst den Standard implementieren k\u00f6nnen w\u00fcrde \u2013 was genau nicht die Idee eines Standards ist.<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Carlito, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nach einem<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/EU-prueft-Microsofts-Einfluss-auf-ISO-Standardisierungsprozess-177343.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> umstrittenen Prozess<\/a> wurde OOXML Strict von ISO als beabsichtigter Standard definiert. Ohne diesen Kompromiss w\u00e4re der Standardisierungsprozess bereits dann zu einem Halt gekommen. ISO erlaubte in einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Schritt sogar eine Variante, wodurch der ISO\/IEC 29500 Standard schlie\u00dflich aus zwei Varianten bestand: ISO\/IEC 29500 Strict and Transitional. Transitional f\u00fcr den \u00dcBergang, um sp\u00e4ter Strict als beabsichtigten Standard zu erhalten. Um allein die Unterschiede zwischen beiden Varianten zu beschreiben waren 1500 Seiten technische Dokumentation notwendig, doppelt so viele wie die komplette ODF-Spezifikation ben\u00f6tigt. Dieser Prozess war sehr umstritten, weil es weltweit aus den nationalen Standardisierungsgremien immer wieder Meldungen von Einflussnahmen des Herstellers auf die ISO Gremien und den Prozess gab. Die englische Wikipedia hat einen eigenen Artikel dazu.<\/span><\/span><\/p>\n<p>Weiterlesen &gt;&gt;<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2014\/ooxml-digitale-zeitbombe-in-deutschen-amtsstuben\/\"> https:\/\/netzpolitik.org\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Bei Dokumenten kann man aus zwei Formatstandards w\u00e4hlen: Der eine, OpenDocumentFormat (\u201eODF\u201c, genormt als ISO\/IEC 26300) ist ein sog. \u201eOffener&hellip;<\/p>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/ooxml-ist-kein-iso-standard-was-ist-das-problem\/\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> \"OOXML ist (kein) ISO Standard &#8211; Was ist das Problem ?\"<\/span>&hellip;<\/a><\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-14005","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14005"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14005\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17380,"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14005\/revisions\/17380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europagymnasium.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}